 |
|
 |
Restaurants
eine lounge hat fast nie eine kueche, und ein essen im restaurant kostet, wenn man sich ganz viel muehe gibt und die edelsten destinationen aufsucht, fuenf euro, aber das ist selten. schon die haelfte ist sehr edel und sehr, sehr teuer.
der unterschied zwischen den ein-euro und den drei-euro restaurants ist vor allem, dass man in letzteren nach dem essen eine kleine schale mit fenchel bekommt, darin liegen ausserdem zahnstocher und darauf liegt dann die bill, die rechnung.
ein suedindisches restaurant, auch die meisten teuren, sieht aus wie ein busbahnhof. es hat dreckige kachelwaende, zwischen denen die gespraeche der gaeste hin und her hallen. es gibt plastikstuehle wie ueberall auf der welt, in nobleren restaurants sind sie manchmal braun, in weniger nobeln immer weiss.
allein im gaestebereich arbeiten immer mindestens acht bis neun leute: zwei oder drei nehmen die bestellungen auf, die stehen in der hiercharchie weit oben und kassieren auch das trinkgeld, wenn man den drei anderen, die die tische abwischen, nicht schnell genug heimlich was zusteckt. zwei andere sind fuer die kommunikation mit der kueche zustaendig, und zwei bringen das essen.
weil man ja in einem busbahnhof sitzt, gibt es natuerlich einen busbahnhofschalten, manchmal auch zwei. bei dem einen holt man sich nach dem essen seine rechnung ab, an dem anderen bezahlt man mit dieser rechnung. die beiden schalter sind oft auf einem richtigen podest, und manchmal bezahlt man sogar durch ein kleines gitter hindurch.
wenn man bestellt hat, was trotz des zahlreichen, aber uebel unterbezahlten personals oft gar nicht so einfach ist, heisst das noch lange nicht, dass man dann auch das bekommt was man bestellt hat. das liegt entweder daran, dass die kellner gar kein englisch koennen und nur ungefaehr raten, was man wollte, oder daran, dass sie fast nie aufschreiben, was man bestellt, und eigentlich immer mindestens zwei komponenten vergessen. oder auch daran, dass die koeche, wenn die kellner etwas aufgeschrieben haben, das dann vielleicht gar nicht lesen koennen (aber das ist nur eine gemeine spekulation von mir, ich versuche mir nur die ueblen statistischen ergebnisse unserer bestellungen zu erklaeren). wahrscheinlicher ist, dass man oft nur zwei drittel der bestellten sachen bekommt, weil die kellner immer nach den ersten drei bestellungen einfach wegrennen (was doof ist, weil man nie ganze menues, sondern immer nur kleine sachen in kombi bestellt, und es ist oft schwer, die kellner in den naechsten zehn minuten noch mal herbeizulocken).
beim essen ist es so, nun... ich bin mir ganz sicher, dass die inder eine grossartige kochkultur haben. die kueche in indien ist mit sicherheit ganz vorsueglich. wenn man so ueber die maerkte geht, gibt es unglaublich viele gemuesesorten, linsen, reissorten und riesige staende mit nudeln, die wir noch nie gesehen haben, in fantasievollen formen und farben. es gibt gewuerze, die riechen sogar bis rueber zum fischmarkt, und es gibt eine jahrtausende alte ayurveda-kochtradition.
das ist aber nichts fuer die touristen. warum auch? die sind ja nicht so lange da, und die inder selber gehen halt mal ins restaurant, wenn sie was anderes essen wollen als zuhause oder wenn sie selber reisen. im restaurant gibt es genau drei sachen: reis (manchmal in variationen) und manchmal alternativ noch chinanudeln, sossen (in variationen und oft scharf, aber laengst nicht so schlimm scharf wie man uns erzaehlt hat) und chappati, also brote, in etwa fuenf variationen. das gibt es zum fruehstueck, mit etwas anderen schwerpunkten zum lunch und wieder anders gewichtet zum dinner. ein bisschen gefaehrlich sind die fruchtsaefte, wenn man weiss, mit welchem wasser die mixer gewaschen werden, aber man muss ja nicht alles wissen. die fruchtsaefte gehoeren zum besten, was es in den restaurants so gibt, ueberall. 100 prozent pur fuer einen halben euro, mmmh.
was es nicht gibt, ist gemuese (richtiges, nicht zerkochtes gemuese), fruchtlassi (das leckerste getraenk in den indischen restaurants in d), pakoras, also gemuese im teigmantel, gekochte banane, curry mit mango und - auslaendische, vielleicht sogar europaeische restaurants...
umso mehr haben wir uns gewundert, als in ernakulam ploetzlich in grosser leuchtschrift ein schild auftauchte: "KEBAB". eine doenerbude? hier??? seltsame welt. au ja, nach all dem reis mit scharfer sosse und reis mit weisser sosse und reis mit gemuesesosse - ein richtiger echter falafel, das waers!! als wir dann die treppe hoch gingen zu diesem kebabladen, kamen wir in ein piekfeines wunderschoenes restaurant, viel zu kalt mit aufgedrehter klimaanlage, im japanischen style. nirgendwo ein spiess an dem sich lammfleisch dreht, mit einem resoluten tuerken dahinter (kochen bei den tuerken eigentlich zuhause auch die maenner?).
stattdessen bekamen wir dann das einzige fuenf-euro-essen unserer reise serviert. krautsalat (aber kein tuerkischer), suppe mit kardamom und meeresfruechten und - ananasreis mit scharfer gemuesesosse. und die rechnung haben wir nicht an einem busbahnhof-schalter, sondern am tisch bezahlt. das essen war eine legende aus 1001 nacht. na klar, falafel waere billiger gewesen, sogar in deutschen preisen, aber das gabs auf der karte nicht: "kebab" ist hindi und bedeutet "nordindisches essen". na gut.
|
 |