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So arbeitet man hier mit Nitrolack.
  Schon angerosteter Draht wird in Alufarbe getunkt.
Die ist kein Eingang zu einem Schloss.
  Die Mauer soll nur, wie auch die Blumen die der 
  Gaertner der dort wohnt pflegt, dazu dienen
  das zum verkaufstehende 
  Grundstueck etwas auszuschmuecken. In diesem Internet "Cafe" schreibe ich gerade diesen Satz.
Ein Sadhi (heiliger Mann) bei einem grossen Tempel auf einem Berg bei Madurai.
24h Travel Argency



Die Zukunft der Arbeit...


...in Deutschland haben wir in Indien gefunden. Ich fasse zusammen:

- Es gibt einen Haufen ein-Euro-Jobs. Eigentlich die meisten Leute arbeiten so. Wer anderthalb oder zwei Euro am Tag bekommt, hat Glueck gehabt.

- Ein Teil der Leute arbeitet sein Leben lang fuer die europaeischen Klamottenkonsumenten oder Teetrinker (die mit ihrem Kauf immer die Haendler bezahlen und nicht die Hersteller, ausser sie kaufen im Weltladen ein). Die Teepflueckerinnen, die wir bei einem Plantagenspaziergang getroffen haben, verdienen 80 Rupien am Tag. Ein billiges komplettes Essen kostet 40 Rupien, eine Busfahrt zur Plantage fuenf bis zehn.

- Starke Gewerkschaften hat es wohl mal gegeben, nur ist keiner mehr drin. Interessiert im informellen Sektor auch keinen einzigen Arbeitgeber, und der ganze untere, also fast der ganze, Arbeitsmarkt gehoert zum informellen Sektor.

- Konkret heisst das: Wer einen Job in einem Restaurant ergattert hat, hat es gut, denn als Gage sind Kost und Logie frei (beides zusammen kann man von normaler Arbeit meistens nicht unbedingt bezahlen). Hier arbeiten etwa zehn Leute (siehe Essay ueber Restaurants), die immer da sind, weil sie naemlich oft dort wohnen. Manchmal muss man zum Bathroom ein oder zwei Etagen hochsteigen, und dann steigt man ueber die Leute drueber, die auf dem Flur im Dreck schlafen. Alles Kollegen.

- Um eine Laterne aufzustellen, braucht man fuenf Leute, die dann den ganzen Tag beschaeftigt sind. Das macht aber nichts, weil sie nur ein ganz kleiner Teil der Kosten sind. Als Faustregel gilt: Umso mehr Arbeit und umso weniger Technologie in einem Produkt steckt, umso besser. Dann ist es naemlich billiger.

- Jeder hat sein kleines Business. Das geht nicht anders, wenn man naemlich verhungert, interessiert es auch keinen. Wer ein Business hat, kann wiederum selber Subunternehmer beschaeftigen, die dann noch ein bisschen weniger verdienen als man selbst, die selbst wieder Subunternehmer haben koennen. Gut, bei dem Mann, der mit einer Personenwaage auf dem Buergersteig sitzt, geht das vielleicht nicht mehr. Vielleicht jemand, der den Buergersteig fegt, warum nicht.

- Ein Studium kostet ungefaehr so viel Geld wie seit Kurzem in den meisten Staedten in Deutschland. Ein Medizin-oder Ingenieursstudium kostet etwa fuenf Mal so viel. Ein Stipendium bekommen nur Genies, und als Genie gilt man, wenn man unglaublich viel auswendig lernen kann.

- Wenn man studiert hat, ist das keine Garantie fuer gar nichts. Aber vielleicht hat man Glueck und einflussreiche, also ich meine reiche, Verwandte in Bangalore, die einem eine Position vermitteln. Vitamin B ist alles, wie in Deutschland eigentlich auch.

- Es gibt sogar eine kleine Mittelschicht, und fuer die gibt es in den Zeitungen sogar Stellenausschreibungen. Wenn man zur Mittelschicht gehoert und z.B. fuer den Staat arbeitet, verdient man (ohne evt. Schmiergelder) zwischen 200 und 400 Euro umgerechnet. Das ist schon ganz ordentlich, auch wenn man dafuer nie nach Europa reisen koennte.

- Indien befindet sich gerade massiv im Aufschwung, zehn Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr. Die meisten Zeitungen feiern das frenetisch, interessanterweise immer ohne naehere Details, wo das Wachstum herkommt und wo es hingeht. Eine linke Journalistin in einem ganz soliden Magazin hat sich das mal angeschaut und ausgerechnet, dass die Reichen jedes Jahr etwa zehn Prozent reicher werden. Irgendwie nicht verwunderlich, warum sollten die auch den Teepflueckerinnen was abgeben? Bringt ihnen doch nichts. Oder werden politische Entscheidungen in irgendeinem Land der Erde von den Landarbeitern gefaellt?

Hier ein Eislieferservice. Diese beiden weben Bambusstreifen mit Bindfaden zu Markise zusammen. Dieser Metallworker schlaegt mit einem Keil 
  runde Metallplatten aus mindestens 3-4mm Blech.
  Er schlug dabei so heftig zu, 
  das ich sicher bin, das nicht viel von seinen Fingern 
  uebrigbleiben wuerde, wenn er abrutschen wuerde. Diese Plastikkruege ist das haeufigste Transportmittel fuer Wasser.  
  Da viele Haueser und Laeden oft auch kein Wasseranschluss haben,
  bietet diese Riksha einen Wasserbringdienst an. 
  (zB fuer Fastfoodstaende, 
  die dann leider, meist auf Kosten der Hygiene, 
  sehr sparsam damit umgehen.) Diese Arbeiter bemahlen die Wand des indischen Pavillons 
  in Auroville mit Betonfarbe an.


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